Stark trotz Krebs – von der Idee und dem Erfolg der Sporttherapie auf der Kinderkrebsstation Leipzig
Shownotes
Auf der Kinderkrebsstation am Universitätsklinikum Leipzig wird geturnt. Ein spezielles Bewegungsprogramm hilft den jungen Patientinnen und Patienten, besser mit körperlicher Schwäche, Schmerzen und Niedergeschlagenheit umzugehen – und wieder ein Stück Lebensfreude zu spüren. Katrin Lindner, Landespressesprecherin bei der TK in Sachsen, hat mit den Sporttherapeuten Dr. Regine Söntgerath und Markus Wulftange über die Sporttherapie für Kinder mit Krebs gesprochen. Das Interview über die Entstehungsgeschichte und den Erfolg der besonderen Begleitung während der Krebsbehandlung hören Sie in dieser Folge unseres Podcasts Maschinenraum Gesundheit.
Transkript anzeigen
00:00:03: Willkommen
00:00:04: im Maschinenraum Gesundheit, dem Podcast der
00:00:07: TK Landesvertretungen.
00:00:09: Hier treffen wir Antreiberinnen und Pioniere die sich für eine bessere Versorgung
00:00:13: stark
00:00:13: machen, die Grenzen verschieben und Fortschritt vorantreiben
00:00:22: Wenn Kinder mit Krebs auf der Sprossenwand über sich hinaus wachsen Auf dem Krampolin lachen und für einen Moment alles Schwere vergessen wird.
00:00:32: Bewegung zur stillen Heldin ihrer Therapie.
00:00:36: Herzlich willkommen zu einer neuen Folge Maschinenraum Gesundheit.
00:00:41: Ich bin Katrin Lindner, Landespressesprecherin der TK in Sachsen.
00:00:57: Hallo!
00:00:58: Wir kennen uns ja schon eigentlich eine Weile telefonisch.
00:01:02: Jetzt haben wir uns das erste Mal sozusagen gesehen und sprechen über ein Projekt, wo Sie die Pioniere sind.
00:01:09: Vielleicht stellen sie sich ganz kurz vor selber, Herr Rülftange?
00:01:13: Ja, ich bin Sporttherapeut auf der Station seit zweitausend.
00:01:18: Damals ist der Chef Prof.
00:01:21: Körls auf mich zugekommen und hat mich gebeten das Thema Bewegung und Aktivität und Mobilisierung auf unserer Kinderankologischen Station zu etablieren, aufzubauen und zu entwickeln.
00:01:31: Ich habe aber Sport studiert und später noch Sozialarbeit habe mich dieser Aufgabe gerne gestellt.
00:01:38: Und ich glaube, wir können heute mit Vibundrecht sagen dass wir als Standort Leipzig Sport und Bewegung in der Kinderhankologie sehr weit nach vorne gebracht haben auch dank der Unterstützung meiner Kollegen die Zwei-Tausend-Elf-Zwölftreizehn dazu gekommen ist ihre Doktorarbeit zu dem Thema geschrieben hat.
00:01:53: aber da kann sie sicherlich gerne selber was zu sagen.
00:01:55: Mein Name ist Regine Söhnkirat.
00:01:58: Ich bin Sportwissenschaftlerin und Sporttherapeutin, genau wie Markus gesagt hat seit elf zwölf dreizehnt auf der Station.
00:02:04: Bin damals über meine Masterarbeit hier reingerutscht und dann sehr gerne geblieben und arbeite auch mit Freude in dem Bereich.
00:02:13: Also Sie haben ja was ganz Wichtiges entwickelt hier in Leipzig also beschreiben sie es doch gleich mal!
00:02:20: Wir haben es damals in Bewegungsorientierte Frühreabilitation für an krebserkrankte Kinder.
00:02:28: Bewegung, Aktivität und Mobilisierung schon während der Akutphase der Therapie.
00:02:33: Also in der Klinik, während Chemotherapie, während Bestrahlung.
00:02:36: Das hat es bis dahin so noch nicht gegeben.
00:02:38: im Erwachsenbereich hatte sich das so langsam etabliert.
00:02:41: Ferdinand Dimeo einer der großen Vorreiter hat Programme entwickelt für Erwachsene Und wir haben versucht das auf Kinder zu adaptieren.
00:02:50: Bei den Erwachsen die kann man halbe Stunde auf Fahrrad-Ergometer setzen zwei drei vier mal die Woche.
00:02:53: dann machen die da ist weil sie's verstehen.
00:02:56: Kinder muss man versuchen, so ein Stückchen Anlass zu kriegen.
00:02:58: Die müssen Spaß daran haben und Lust darauf haben weil die sozusagen wenn sie nicht gefällt verweigern sich einfach und da kocht man auch dann schwer an.
00:03:07: Also haben wir versucht kindgerechte Aktivierung und Kindgerechte Mobilisierung zu entwickeln und zu schauen was macht den Kindern Spaß?
00:03:14: Wie bekommen wir sie aus dem Bett?
00:03:15: Wie kriegen wir sie motiviert trotz ihrer Behandlung in der Akkuklinik sich zu bewegen aktiv zu werden.
00:03:22: Bei Kindern rennt man da so ein bisschen auf eine Tür und einzeln, zumindest bei vielen Kindern.
00:03:25: Weil sie sich sowieso gerne bewegen, weil Bewegung Entwicklungsaufgabe ist für Kinder.
00:03:30: Und trotzdem ist es wenn es einem nicht gut geht, wenn man so ein bissel durchhängt, sowohl körperlich aber auch psychisch.
00:03:37: Es ist manchmal schon eine Herausforderung die zu aktivieren und dann braucht's ein bisschen Fantasie, es braucht ein bisschen Mut spielerisches sich auf die Kind-Ebene zu begeben, um die Kinder daraus zu locken und mit ihnen Dinge zu tun.
00:03:53: Wo sie selber gar nicht gedacht hätten dass sie das noch können und es geht, dass es funktioniert selbst im Krankenhaus.
00:04:00: über diese Schiene sind wir glaube ich haben wir uns hier sehr gut entwickelt gemeinsam mit den Kindern und stellen immer wieder fest wie viel Spaß es den Kindern dann am Ende auch macht wenn Sie merken was ihr Körper alles noch kann trotz ihrer Krebserkrankung.
00:04:13: Das klingt ja eigentlich alles ganz plausibel und logisch, man denkt sich... Das müsste eigentlich ganz selbstverständlich sein, wenn man Kinder mit so einer Erkrankung behandelt.
00:04:25: Dass man darauf achtet dass sie sich auch bewegen.
00:04:29: aber so selbstverständliche ist es wohl ja nicht.
00:04:31: Es ist ja nicht so das es ganz automatisch in der Regelversorgung ist und die Bezahlung dieser Behandlung damit eingebunden ist.
00:04:39: Ja tatsächlich war die Technikerkrankenkasse die erste Krankenkasse Dieses Projekt verstanden hat, die Idee verstand hat.
00:04:48: Die gesagt hat wow das ist doch klar!
00:04:49: Das müssen wir irgendwie versuchen zu unterstützen.
00:04:52: Damals der Tobiaski war total begeistert, er hat uns besucht und sich das angeschaut und hat gesagt wow also da müssen wir was machen.
00:04:59: Und ich erzähle es immer ganz gerne... Es ist ja eine Gutachterin gekommen aus Hamburg, die das nochmal überprüfen musste damit das auch alles so sein seine Richtigkeit hat, die ist total berührt und emotional da wieder rausgegangen.
00:05:11: Und hat gesagt also das unterstützen auch alle Fälle.
00:05:13: Die hat einen Hakenwagen gemacht und so haben wir quasi die erste Krankenkasse gewinnen können, die gesagt hat für unsere Versicherten finanzieren wir das mit nicht zu hundert Prozent weil bestimmte Dinge eben nicht da reinfallen konnten aber zum großen Teil.
00:05:28: Dann haben wir die Tippel-Tapeltour gemacht und sind von Krankenkass zu Krankenkassen gegangen.
00:05:33: Der Obiske hat immer mal schonmal so ein bisschen vorgefühlt, den einen oder anderen Kontakt hergestellt und das war super hilfreich um dann so nach und nach ja in Leipzig zumindest fast alle Krankenkassen mit dem Boot zu haben die einen Teil der Sporttherapie damit auch mit finanzieren sodass wir eine halbe Stelle hier schaffen konnten die durchfinanziert ist und die andere Stelle ist immer noch überschritten finanziert.
00:05:55: aber wir haben auf jeden Fall einen schönen Mix der uns total hilft damit für die Versorgung auf der Station gut etablieren konnte.
00:06:02: Wie läuft dann so was ab?
00:06:03: Also könnt ihr das kurz so ein bisschen beschreiben, wenn jetzt so ein Kind kommt.
00:06:09: Vielleicht frisch auf die Station?
00:06:12: Ja also wenn wir uns jetzt vorstellen wir haben zehnjährige Patientinnen, die vielleicht mit einer Neukämie kommen Dann erfahre ich in der Regel davon von meinen Kolleginnen aus dem Fallmanagement.
00:06:23: Es gibt neue Patienten Mit der und der Diagnose.
00:06:26: Ihr könnt euch gerne vorstellen.
00:06:27: Und dann gehe ich rein und stelle mich vor, lerne das Kind kennen.
00:06:31: Lerne die Eltern kennen.
00:06:32: Stellt die Sporttherapie vor.
00:06:33: Am besten habe ich direkt eine Luftballung dabei und wir können direkt ins Spielen kommen.
00:06:39: Dann frage ich immer ab was gibt es für Vor-Erfahrungen mit Bewegung?
00:06:42: Auf was haben die Kinder von sich aus Lust?
00:06:44: Gibt's irgendwas wie... Ich spiele super gerne Fußball.
00:06:47: Ich tanze total gerne!
00:06:48: Also was sind so die Vorlieben und Leidenschaften?
00:06:51: Damit kann man eigentlich gut arbeiten.
00:06:54: mach ich meistens so ein bisschen neugierig auf, was können wir hier am Krankenhaus alles machen?
00:06:58: Das würde ich gerne mal zeigen.
00:07:00: Dann machen wir eine Tour des Krankenhauses und entdecken die Räumlichkeiten wo man sich überall bewegen kann.
00:07:06: Und dann haben die Kinder in der Regel als kommt es ein bisschen aufs Alter an gleich eigene Ideen oder wollen gleich Board.
00:07:12: Den Raum will ich auf jeden Fall, hier will ich mal Fußball spielen.
00:07:15: das möchte ich gerne machen und dann kommen wir am besten direkt ins Spielen.
00:07:19: und die Kinder wissen sozusagen von Anfang an okay cool.
00:07:22: am Krankenhaus kann ich richtig cool Sport machen.
00:07:25: Und das geht von einem, wir haben einen kleinen Boulderraum.
00:07:27: Wir haben eine kleine Turnhalle.
00:07:29: Wir können bei uns bogen schießen, Tischtennis ... Wir haben einen Mini-Kraftraum.
00:07:33: Selbst auf Stationen und Bewegungsrahmen, in dem man vielfältiger sich bewegen kann.
00:07:38: Und wir haben ganz viele kleine Materialien, die wir mit in die Zimmer nehmen können.
00:07:41: Selbst wenn ein Kind aus welchen Gründen auch immer mal nicht aus dem Zimmer darf, können wir das Kind im Zimmer bespielen, bewegen, aus den Bettlocken.
00:07:50: Da haben wir inzwischen einen riesigen Repertoire an Kleinen spielen, an Ideen um das Kind zu motivieren und Lust darauf zu machen, munter zu werden aufzustehen sich im Zimmer zu bewegen.
00:08:05: Und das funktioniert inzwischen richtig gut.
00:08:08: die Kinder sind ganz froh und genau man kann nicht alle über einen Kampfschirm.
00:08:12: es gibt Kinder wo.
00:08:13: die muss man dann schon mal müssen.
00:08:14: mehr motivieren muss man auch nochmal erklären warum und weshalb das so wichtig ist.
00:08:19: Aber andere Kinder kratzen schon mit den Hufen, wenn sie hören die Sporttherapeutin ist auf Station.
00:08:24: Dann stehen die schon Schlange und wollen loslegen.
00:08:27: Also da muss man ein bisschen gucken.
00:08:28: Das ist eigentlich das Beste oder?
00:08:31: Was besseres kann hier nicht passieren?
00:08:33: Und es ist ja nicht so dass Sie das so wie aus dem Hut saubern sondern Sie haben ja direkt eine Leitlinie auch erarbeitet.
00:08:42: Genau, wir haben uns mit anderen Standorten vernetzen können.
00:08:44: Da wurde im Jahr zwölf das Netzwerk Active OncoKits gegründet unter anderem damals Münster aber auch an anderen Standorte wie Mainz und Heidelberg die damit dabei waren bei der Gründung.
00:08:58: Und dann haben wir uns zusammen engagiert und irgendwann war der Punkt gekommen wo wir gesagt haben ich glaube es ist Zeit für eine Leitlinie Es gibt genügend Evidenz Wir haben genügende ExpertInnen die wir dazu befragen könnten Und dann haben wir uns daran gemacht, das in die Wege zu leiten.
00:09:13: Und so ist dann, ich glaube, im Jahr zwei Tausend, achtzehn oder neunzehnt müsste sie rausgekommen sein.
00:09:19: Die erste Leitlinie zur Bewegungsförderung und Bewegungstherapie in der Kinderonkologie entstanden im Zusammenarbeit mit ganz vielen anderen Fachgesellschaften Und das ist aktuell eine Leitlinie Stufe II, also eine S-IIK-Leitlinien sagt man dazu.
00:09:34: Das ist also eine konsensbasierte Leit Linie.
00:09:37: Die nächste Stufe ist dann die Evidenz basierte Leidlinie.
00:09:41: Daran sieht man auch so ein bisschen dass dieser Arbeitsbereich sich weiter ausweiten im Entstehen immer noch ist was so die Forschung anbelangt.
00:09:50: Das isso unser Ziel, dass wir entweder bei der nächsten Überarbeitung oder bei der darauf folgenden Stufe der S-III-Lei-Linie klimmen Was dann auch noch mal eine andere schwere oder Gewichtung hat, sozusagen gegenüber Kostenträger.
00:10:05: Wenn man eine S-Dreileitlinie hat kann man ganz anders sagen okay das ist evidenzbasiert d.h wir müssen das machen.
00:10:11: ansonsten enthalten der ja was vor was wirksam ist
00:10:15: und dass wäre dann der Schritt auch zur Rehnefinanzierung.
00:10:18: es braucht in diesem System Medizin Gesundheit immer viele viele Jahre.
00:10:22: das braucht ein bisschen Durchhaltevermögen viele Menschen, die sich da auch engagieren um das dann in diese Regelversorgung reinzubekommen.
00:10:32: Aber wir glauben fest daran, wir halten es für absolut notwendig und wichtig Und sind froh wenn wir uns weiter haben Auch bei den Krankenkassen, die das genauso sehen und mit uns gemeinsam diesen Weg gehen wollen.
00:10:45: Ich weiß ja auch dass Es gibt jetzt einige andere Standorte In Deutschland Die sich so ein bisschen orientieren an ihrem Konzept.
00:10:56: Das ist der Weg des Geldes, sag ich mal.
00:10:58: In dem Moment wo ein Standort es geschafft hat in eine Teilfinanzierung oder Mitfinanzierungen zu kommen, gucken natürlich auch andere Krankenhäuser.
00:11:05: da kann man irgendwie auch ein tolles Angebot machen und das ist sogar möglicherweise ein Stückchen mit finanziert.
00:11:12: Das lässt natürlich aufreuchen und so sind viele Standorte davon zu bekommen.
00:11:16: Wir haben viele Kolleginnen und Kollegen die bei uns hospitiert haben ums dann in ihre Standorte zu tragen, die dann mit ihren Verwaltungen gesprochen haben.
00:11:25: Wie das denn aussieht?
00:11:26: Ob man nicht auch diese Finanzierung mal entwickeln könne.
00:11:29: Aber wir hören so viel dass es gar nicht so einzigartig ist, dass man auch da im Krankenhaus selber Widerstände überwinden muss weil's immer auch ein gewisser Aufwand ist und gleichzeitig die Gruppe sehr klein ist.
00:11:40: also es heißt wie gereden von zwei zwei tausend zweihundert Patienten pro Jahr.
00:11:45: Das heißt, die Gruppe ist für ein Krankenhaus oder wenn man das jetzt da schon weit denkt relativ klein.
00:11:51: So dass da gar nicht so viel daran wollen weil sie Aufwand und Nutzen möglicherweise sich möglicherweise nicht lohnt.
00:11:57: wir sehen nur für jedes Kind lohnt es sich zu hundert Prozent Und das ist quasi unsere Maßgabe.
00:12:03: Wir gehen vom Patienten aus und haben nicht sofort den wirtschaftlichen Gedanken im Kopf sondern wir wollen Dass die Kinder was gutes widerfährt werden an der schwierigen Zeit glaube ich, mit Sportbewegung und Aktivierung genau auf dem richtigen Weg.
00:12:18: Und das ist auch die Rückmeldung, die wir von allen Eltern und vielen Kindern bekommen.
00:12:22: Das ist das was mir im Krankenhaus Kraft gegeben hat.
00:12:25: Was mich durchhalten lassen, was mir gezeigt hat dass ich nicht aufgebe.
00:12:29: Und... ...das reicht für uns!
00:12:33: Ja,
00:12:33: Sie haben
00:12:34: mir schon mal erzählt so ein Beispiel von einem Patienten der wirklich absolut geschwächt war und sich kaum noch bewegen konnte Und das war für mich auch sehr eindrücklich.
00:12:47: Es könnten Sie vielleicht noch mal ganz kurz so ein bisschen erzählen darüber?
00:12:52: Es gibt so viele Pazien, die an dieser Stelle stehen oder standen und die wir mit viel Geduld auch wieder dahin gebracht haben dass sie an unserem Benefitslauf teilnehmen konnten Nach ich weiß nicht, wie viele hundert Tage im Krankenhaus dann zwei Kilometer Garant sind.
00:13:09: Das macht uns natürlich mega stolz und freut uns immens dass wir so merken die kommen wieder in ihren Alltag zurück.
00:13:14: Die können vielleicht sogar wieder am Sport und Drichteile den jungen Pfand oder über unsere Reha-Sportangebot dann diese Schritte gehen.
00:13:22: Wie gesagt das sind unzählige Beispiele wo wir gemerkt haben Wir haben sie nicht aufgegeben.
00:13:28: Wir sind immer wieder hin auch wenn sie zwischendurch mal gesagt habe ich ja keine Lust auf Sport Ich kann nicht mehr und ich will nicht.
00:13:33: Wir bleiben geduldig und wir sind da auch im Sinne des Kindes versuchen immer dran zu bleiben, dass sie eben trotzdem versuchen einen Fluss von anderen zu setzen aus dem Bett rauszukommen.
00:13:47: Und in irgendeiner Weise sich ihre Mobilität wieder zurückzuholen.
00:13:51: Ja, also ich erinnere mich an so ein Beispiel wo sie mir erzählt hatten.
00:13:57: So einen Patient der irgendwie nur noch im Rollstuhl sitzen konnte sich überhaupt nicht bewegen konnte und dann hat er irgendwie so eine Sputseinheit gemacht und hat gemerkt die ist gut getan halt
00:14:09: Ich merke das häufig.
00:14:10: Also oft braucht es wirklich diese Momente die den Kindern wirklich Freude machen ganz schwierige Situationen, wo es wirklich auch etwas körperlich Unangenehmes zu überwinden gilt wie zum Beispiel Schmerzen in den Beinen die Hürde sind dass ich jetzt aufstehe.
00:14:26: Weil man weiß, es fühlt sich so gut an wenn wir das machen.
00:14:29: Und ich glaube der Patient den Sie meinen?
00:14:32: Das war ein Fall wo das Kind relativ lange alleine isoliert in dem Zimmer war aufgrund von Keimen die es nicht nach draußen tragen sollte und in dem Zimmer sich aber nicht mehr gerne bewegen wollte und dadurch aber auch psychisch mittlerweile schon einfach sehr eingeschränkt war sozusagen und keine Motivation mehr viel hatte und wir auch nicht richtig wussten wie kriegen wir denn jetzt in die Bewegung rein?
00:14:54: Und dann haben wir die Aufgabe bekommen, den Patienten bitte einzukitteln in einen Raum zu bringen, der danach sehr gut geputzt werden muss.
00:15:06: Dann sind wir mit dem Rollstuhl und dem Bruder des Patienten – ich glaube ein Elternteil war noch dabei – in den Sportraum gefahren Und die beiden Geschwister sind dann auf unserer großen Weichbodenmatte herumgekollert und hatten super viel Spaß dabei.
00:15:18: Und haben die ganze Zeit gekichert, weiß ich noch... ...und er war einfach so erleichtert aus diesem Raum rauszukommen und in einen anderen Raum indem er was machen konnte.
00:15:28: Ich weiß das als wir zurückgegangen sind weil irgendwie klar naja eigentlich muss ich auch nicht unbedingt in den Rollstuhl.
00:15:35: und dann hat er seinen Rollstühl zurückgeschoben auf Station Und ist tatsächlich fröhlich am Schwestern-Tresen vorbeigelaufen, hat noch geflürteter Löcheln und ist dann wieder zurück rein in seinen Raum.
00:15:46: Das war natürlich ein ganz toller Moment.
00:15:49: Gleichzeitig ist auch ganz wichtig zu wissen mit dem einen Moment ist es natürlich nicht getan.
00:15:53: Auch wenn das halt helfen kann dort anzuknüpfen.
00:15:55: Es braucht dann immer nochmal und wieder und wieder.
00:15:58: aber diese Momente sind immer ganz wichtig oder ich merke das auch immer, wenn Eltern zum Beispiel berichten Nach der ersten Chemotherapie, wenn sie dann wieder zu Hause waren eigentlich wollte das Kind nicht mehr mit an die Klinik kommen und hat gesagt da will ich nicht nochmal hin.
00:16:12: Das war so unangenehm.
00:16:13: aber dann haben wir darüber gesprochen dass ja bei der Sporttherapie so Spaß gemacht hat und dann hat unsere Tochter gesagt aber in den Kletterraum will ich schon noch mal gerne dann komme ich jetzt mit.
00:16:22: Also, dass das tatsächlich ein Gegengewicht ist gegen diese negativen Erfahrungen die man einfach zwangsläufig macht während der Behandlung.
00:16:29: Die Chemotherapie hat Nebenwirkung und es gibt viele Entbehrungen, die man aushalten muss oder bis zum gewissen Grad einfach wegmachen können sozusagen.
00:16:41: Und wenn man da als Gegengewicht eben diese positiven Bewegungserfahrungen hat und diese Räume in denen man sich auch austoben kann und ausprobieren Das wirkt einfach super gut.
00:16:55: Der entscheidende Punkt ist, dass die Kinder merken was doch noch geht und das muss man manchmal mit ein bisschen Fantasie dann auch hervorkitzeln.
00:17:03: Es gibt so einen Spielpipilangstrumpf Die hat früher in ihrer Villa Kunterbund immer den Boden nicht berühren gespielt.
00:17:10: Und das kann man natürlich auch an einem Patientenzimmer nachbauen, dann klettert man eben über die Betten und über das Stuhl.
00:17:14: Man muss es ein bisschen absichern, dass da nichts passiert.
00:17:17: Die Schwester sehen das auch nicht so gerne.
00:17:19: Und gleichzeitig ist es aber was, was man in diesem sterilen Krankenzimmer trotzdem machen kann.
00:17:24: Luftballon-Tennis spielen wir regelmäßig.
00:17:26: Wir haben Ringe, die wir kreuz und quer durch einen Raum werfen.
00:17:30: Baseball in Anziehungsstrichen, ich weiß nicht wie viele Uhren schon kaputt gegangen sind und runtergeflogen sind weil wir einfach rumgetobt haben wilde Sachen gemacht haben im Zimmer.
00:17:40: Einfach nur um diese Kinder aus um denen zu zeigen hey wir können dir verrückt sein wir können hier schräge Sachen machen und das hilft ihr ja so ein bisschen wieder auf die Füße zu kommen.
00:17:50: manchmal ist es wirklich der Moment dass es klicken Kopf macht und dann ist es doch alles nicht mehr ganz so schwer wie sichs erst mal angefühlt hat.
00:17:57: Das klingt ganz wunderbar und ich weiß auch, dass das wohl in das häusliche Umfeld übertragen wird.
00:18:04: Also da versuchen wir in erster Linie die Eltern mit einzubinden weil Eltern einfach ganz wichtige Faktoren für das Bewegungsverhalten von Kindern sind.
00:18:12: Und jetzt ist es aber ja so gerade wenn man kleine Kinder hat oder generell wenn man kranke Kinder hat geht einem ja sofort im Kopf des Bild an Eier gut war krankes gehört ins Bett.
00:18:22: Und bei einer Grippe ist das völlig richtig oder bei Fieber, aber bei einer Krebserkrankung ist das tatsächlich das Gegenteil von hilfreich sozusagen.
00:18:31: Da müssen wir eher den Eltern erklären also an denen und den Tagen in diesen Momenten da nicht, aber in allen anderen Momenten dürft ihr euch gemeinsame Wege und Spaß haben.
00:18:42: Und das heißt dafür suchen wir die Eltern so anzuleiten dass sie dieses gemeinsame Bewegen auch für sich mitnehmen können.
00:18:48: Also wenn das gut funktioniert, dann berichten mir Eltern was sie zu Hause alles gespielt haben.
00:18:53: Wir haben das mitgenommen und das Luftballon Tennis hat so Spaß gemacht!
00:18:56: Das spielen wir jetzt zuhause auch immer oder?
00:18:59: Wir sind viel rumgetugt, wir waren auf dem Trampolin, wir sind spazieren gegangen... ...wir sind dorthin gefahren wo es schön ist zu spaziern dass wir eine gute Zeit hatten zusammen.
00:19:07: Und wenn das so funktioniert, das ist tatsächlich ideal weil das auch ne Stellschraube ist wo die Eltern selber wirksam werden können.
00:19:14: Weil sonst ist das ja eine Situation mit der Krebserkrankung des Kindes.
00:19:18: Die muss ich einfach auch irgendwie ertragen.
00:19:20: Da muss ich mit klarkommen, da muss ich einen Weg finden wie ich damit umgehen kann.
00:19:25: und es gibt eben so kleine Stellschrauben wo man selber was beitragen kann und das nehmen die Eltern oft auch gerne an.
00:19:32: Lassen Sie sich dann anleiten von uns, wenn man das gut fördert.
00:19:36: Und
00:19:36: tut den Eltern einfach auch gut zu sehen, dass ihr Kind daran Spaß hat.
00:19:40: In der Realität tut es den Eltern auch gut, sich ein bisschen zu bewegen.
00:19:43: Auch im Krankenhausalltag ist es schwierig.
00:19:45: die sitzen stundenlang am Bett ihres Kindes.
00:19:48: Die meisten klagen dann irgendwann doch über Rückenschmerz oder auch viel Anstrengung.
00:19:51: Das können sich viele gar nicht vorstellen.
00:19:53: aber die sagen alle da ist acht Stunden Arbeit, ist nix dagegen.
00:19:57: und da müssen wir so ein bisschen immer drauf hinweisen und können darauf hinweisen, sagen hier wir haben ein Fahrrad-Algometer.
00:20:03: Wir haben einen Laufband.
00:20:04: wenn ihr wollt, wenn ihr Möglichkeiten im Klinikalltag findet Wegt euch auch, tut euch auch was Gutes damit ihr Kraft habt und damit ihr gut für eure Kinder da sein könnt.
00:20:14: Und im besten Fall kombinieren wir das miteinander.
00:20:17: Insofern ist das Teil des Konzeptes dass wir die Eltern befähigen ja mein sogenanntes Elternmodul wird den Eltern das erklären wo wir gemeinsame Sportanei mit den Eltern machen und auch mit Eltern plus Kind um zu zeigen was alles möglich ist.
00:20:31: Gibt es irgendwas was sie sich wünschen?
00:20:34: also jetzt so für die Zukunft?
00:20:37: Na ja, immer mehr Kapazitäten um das was wir tun noch stabiler noch öfter noch regelmäßiger tun zu können.
00:20:46: Das heißt im Ende fehlt das Geld.
00:20:49: da arbeiten wir als Verein natürlich dran dass wird es gut abgesichert bekommen jeweils Urals Jahr aber das nächste Jahr und das übernächste Jahr kommt auch noch.
00:20:58: am ende müssen wir immer wieder schauen dass es funktioniert insofern Geld, um noch mehr Kapazitäten zu schaffen damit wir das Angebot jedem Kind und im besten Fall zu jeder Zeit während der Glückphase anbieten können.
00:21:12: Da wäre natürlich der große Wunsch auch dass das einfach Teil der Regelversorgung ist und jedes Kind das auf Station kommt automatisch Sporttherapie bekommen kann.
00:21:21: Im Moment ist es so, dass wir das natürlich immer einmal beantragen müssen und das ist auch gut aber kostet auch Zeit.
00:21:28: Und wenn der Punkt irgendwann mal erreicht wäre, wo das gar nicht mehr hinterfragt wird sondern einfach standardmäßig dazugehört.
00:21:34: Das wäre natürlich großartig.
00:21:35: Da könnte man auch diese Zeit mehr für die Patienten nutzen?
00:21:38: Ja
00:21:39: genau.
00:21:41: Also hoffen wir dass es bald so sein wird und ich bedanke mich sehr bei Ihnen.
00:21:47: Es war wirklich wieder sehr interessant und hat mich sehr berührt.
00:21:51: das Gespräch.
00:21:52: Wir wünschen uns auch und sind da guter Dinge.
00:21:55: Und freuen uns über jede Krankenkasse, die so mitfiebert und mitmacht wie es die TK im Moment tut.
00:22:08: Vielen
00:22:12: Dank!
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